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Sonntag, 15. Februar 2026

Solche Zahlen hatte Füssen noch nie

Faktencheck: Die Stadt Füssen investiert Unsummen und baut gleichzeitig Schulden ab – wie kann so etwas funktionieren? Mehrere Finanzinstrumente spielen die entscheidende Rolle.

Der Schuldenstand sinkt deutlich, gleichzeitig investiert die Stadt Füssen massiv in ihre Infrastruktur. „Wie gelingt das?“, denkt sich mancher Füssener. Zeit für einen Faktencheck: Wie viel Geld wurde tatsächlich investiert, wie viele Schulden getilgt – und wie kann so etwas bewerkstelligt werden? In Abstimmung mit der Kämmerei hat Bürgermeister Maximilian Eichstetter auf Nachfrage unserer Redaktion das Zahlenmaterial aufgearbeitet. So viel vorneweg: Es geht um Zahlen in einer Größenordnung, die es in Füssens Geschichte wohl noch nie gegeben hat: Von 2020 bis 2025 wurden nach der Auflistung über 168 Millionen Euro investiert und getilgt.

Das Mega-Pojekt Grund- und Mittelschule, drei neue Kindertagesstätten und noch vieles mehr: Die Stadt Füssen packt viele Projekte an – gleichzeitig werden aber nicht neue Schulden aufgetürmt, vielmehr ist der Schuldenberg geschrumpft. Wie gelingt das? „Die Antwort liegt nicht in einem einzelnen Finanzierungseffekt, sondern in einer Kombination mehrerer Faktoren“, sagt Eichstetter. Zentral sei „die gestärkte Zuführung vom Verwaltungshaushalt an den Vermögenshaushalt“. Der deutlich verbesserte Überschuss im Verwaltungshaushalt gelang laut Bürgermeister „durch Einnahmenoptimierung, Ausgabenreduzierung und eine konsequente Haushaltssteuerung“. Wie berichtet, hatte der Stadtrat Steuern und Gebühren angehoben, während freiwillige Leistungen gestrichen wurden.

Auch umfangreiche Fördermittel von Bund, Land und weiteren Fördergebern, teilweise mit erhöhten Fördersätzen, halfen. Ergänzt wird dies durch die Stabilisierungshilfen (15,75 Millionen Euro) und durch weitere zweckgebundene Einnahmen – etwa Kostenbeteiligungen, Rückflüsse oder Veräußerungserlöse. Auch „eine offene und transparente Kommunikation mit Aufsichtsbehörden und Institutionen“ führt der Rathaus-Chef als positiven Faktor an. Was Eichstetter betont: „Es wurden keine Sondervermögen oder Schattenhaushalte eingerichtet und keine Sonderkredite aufgenommen.“ Die im Papier aufgelisteten Investitionen und Tilgungen „erfolgten innerhalb der regulären Haushaltsstruktur“.

All diese Faktoren führten laut Eichstetter dazu, dass in den Jahren 2020 bis 2025 im Vermögenshaushalt Einnahmen in Höhe von fast 142,5 Millionen Euro erzielt werden. Zum Vergleich führt er den Zeitraum von 2015 bis 2019 an, als die Einnahmen an die 41,7 Millionen Euro betrugen.

Diese Entwicklung ist auch bei der Ausgabenseite zu beobachten: Während in den Jahren 2015 bis 2019 fast 38,4 Millionen Euro bewegt wurden, belief sich das Volumen in den Jahren 2020 bis 2025 demnach auf fast 168,2 Millionen Euro.

„Damit wurde in den letzten sechs Jahren mehr als das Vierfache des Volumens der vorhergehenden fünf Jahre investiert und getilgt“, hält der Bürgermeister fest.

2025 gilt für ihn als „Doppeljahr von Investition und Entschuldung“: Denn im Vorjahr wurden rund 19 Millionen Euro in Infrastruktur investiert und gleichzeitig rund 9 Millionen Euro getilgt. Insgesamt ergibt sich für 2025 somit eine Ausgabe von fast 28,5 Millionen Euro im Vermögenshaushalt.

Apropos Tilgungen: Unter Eichstetter wurde der „Schattenhaushalt“ des Fremdwährungskredits von 12 Millionen Schweizer Franken in den regulären Haushalt integriert, gleiches galt für die enormen Kassenkredite von 15 Millionen Euro. Insgesamt wurde der Kreditstand von 2020 bis 2025 um rund 26,05 Millionen Euro reduziert, teilt Eichstetter mit.

Die Stadt habe seit 2020 „einen klaren finanzpolitischen Kurswechsel“ getätigt, fasst Eichstetter zusammen: „Trotz steigender Zinsen und erheblicher Baukostensteigerungen wurde massiv investiert, gleichzeitig entschuldet und historische Altlasten wurden abgebaut.“ Die Kombination aus stabilen Einnahmen, hohen Förderquoten, konsequentem Schuldenabbau und transparenter Haushaltsführung bildet laut ihm die Grundlage für eine dauerhaft starke kommunale Infrastruktur.

ein Beitrag von Heinz Sturm / AZ Füssen